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Digitaler Produktpass 2027: Was Konstrukteure heute schon vorbereiten sollten



Der Digitale Produktpass wird kommen. Nicht als optionales Add-on, sondern als verbindlicher Bestandteil künftiger Produktanforderungen in der EU. Viele diskutieren das Thema aktuell noch auf Management- oder Compliance-Ebene. Doch tatsächlich liegt sein Kern woanders: in der Konstruktion.

Denn der Produktpass ist kein Dokument, das am Ende eines Entwicklungsprojekts entsteht. Er ist die strukturierte Ausleitung dessen, was während der Entwicklung definiert wurde. Materialien, Baugruppenlogik, Ersatzteilkonzepte, Änderungsstände – all das wird künftig nicht nur intern relevant sein, sondern extern nachvollziehbar und maschinenlesbar bereitgestellt werden müssen.

Was bisher in unterschiedlichen Systemen nebeneinander existiert – CAD-Modelle, PDM-Stücklisten, ERP-Informationen, technische Dokumentation – wird durch den Digitalen Produktpass zu einer konsistenten Datengrundlage zusammengeführt werden. Und genau hier liegt die Herausforderung. Nicht im Generieren neuer Informationen, sondern im strukturierten Umgang mit vorhandenen.

In vielen Unternehmen zeigt sich bereits heute, wie groß die Lücke zwischen konstruktiver Realität und sauberer Datenbasis ist. Materialbezeichnungen sind historisch gewachsen, doppelt angelegt oder uneinheitlich gepflegt. Baugruppen entstehen aus funktionalen Erwägungen, nicht aus Transparenzanforderungen. Attribute werden nur dann gepflegt, wenn sie unmittelbar benötigt werden. Solange diese Daten lediglich intern genutzt werden, bleiben solche Unschärfen oft folgenlos. Mit dem Digitalen Produktpass verlieren sie ihre Unauffälligkeit.

Konstrukteure definieren, welche Werkstoffe eingesetzt werden, wie Produkte strukturiert sind und wie nachvollziehbar sie später instandgesetzt oder demontiert werden können. Damit bestimmen sie indirekt, wie belastbar der spätere Produktpass sein wird. Eine saubere Materialbibliothek ist künftig nicht nur Frage der internen Ordnung, sondern Voraussetzung für regulatorische Sicherheit. Eine klare Baugruppenstruktur ist nicht nur hilfreich für die Montage, sondern Grundlage für Transparenz entlang des gesamten Produktlebenszyklus.

Hinzu kommt ein Aspekt, der häufig unterschätzt wird: Reparierbarkeit und Kreislauffähigkeit. Der Digitale Produktpass verfolgt das Ziel, Produkte länger nutzbar und besser recycelbar zu machen. Diese Eigenschaften entstehen nicht in der Dokumentation, sondern im Design. Wer lösbare Verbindungen vorsieht, Komponenten klar identifizierbar macht und Austauschbarkeit mitdenkt, schafft nicht nur konstruktive Qualität, sondern erfüllt zugleich künftige Anforderungen an Nachhaltigkeit und Transparenz.

Ebenso wird die Rolle von PDM- und PLM-Systemen neu bewertet werden. Sie werden zur zentralen Quelle für DPP-relevante Informationen. Änderungsstände müssen nachvollziehbar sein, Materialwechsel dokumentiert, Lieferantenbezüge klar zugeordnet. Wo heute noch pragmatische Abkürzungen toleriert werden, kann morgen regulatorischer Druck entstehen. Der Digitale Produktpass wirkt damit wie ein Stresstest für bestehende Datenprozesse. Wichtig ist dabei: Es geht nicht darum, Konstruktion zu bürokratisieren. Es geht darum, Datenqualität als integralen Bestandteil des Engineerings zu verstehen. Wer Produktdaten sauber pflegt, reduziert nicht nur künftigen DPP-Aufwand, sondern verbessert bereits heute Transparenz, Wiederverwendbarkeit und Änderungsstabilität.

2027 ist näher, als es scheint – insbesondere in Entwicklungszyklen komplexer Produkte. Unternehmen, die erst reagieren, wenn konkrete Verpflichtungen greifen, werden mit nachträglicher Datenbereinigung beschäftigt sein. Unternehmen hingegen, die jetzt beginnen, Strukturen zu hinterfragen und Daten konsistent aufzubauen, verschaffen sich nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern einen Wettbewerbsvorteil.

Der Digitale Produktpass ist deshalb kein reines IT-Thema und auch kein isoliertes Nachhaltigkeitsprojekt. Er ist eine neue Perspektive auf Produktdaten. Für Konstrukteure bedeutet das: Was heute modelliert wird, wird morgen dokumentationspflichtig und dauerhaft nachvollziehbar sein.

Und genau darin liegt die eigentliche Veränderung. 



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