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 Software Factory:

Die Software-Fabrik produziert Softwarelösungen höchster Qualität



Weit über die digitale Produktentwicklung hinaus und tief in den Produktionsbereich hinein, liefert die Software Factory GmbH Software für eine ganze Reihe von Anwendungsfällen, die die Arbeit erleichtern und einen effizienteren und automatisierten Entwicklungsprozess ermöglichen. Oft stehen dabei Software-Pakete Creo, Windchill, Integrity, ThingWorx, etc. von PTC im Mittelpunkt. Über Details sprach der CAD.de/NL mit Thomas Trägler, einem der Geschäftsführer und Gründer des Unternehmens.

CAD.de/NL: Herr Trägler, wann wurde die Firma Software Factory gegründet und mit welcher Absicht damals?
Trägler: Unser Unternehmen wurde Ende 1992 gegründet. Wir haben es Software Factory genannt, weil wir Software entwickeln mit einer Qualität, wie man sie bei der Produktion von Serienprodukten aus Maschinenfabriken kannte. Diese Idee ist an der TU München, am Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften (iwb), entstanden. Dort haben sich die Gründer Peter Bartl, Dr.Rainer Stetter und Thomas Trägler im Rahmen von Diplomarbeiten bzw. Promotion kennengelernt. Im Jahre 1992 waren Ausgründungen oder Startups aus der Universität oder nach Studienabschluss nicht die Regel bzw. waren Start- und Förderhilfen, wie man sie heute kennt, nicht vorhanden.
Alle Gründer waren zuvor im Bereich Computer Integrated Manufacturing (CIM) unterwegs, und haben sich mit der 3D-Echtzeitsimulation von Produktionsanlagen und Produktionssystemen beschäftigt. Dieses Simulationssystem konnte eine ganze Produktionshalle abbilden, mit sämtlichen Maschinen, Robotern und Fördermitteln etc. Sämtliche Produktionsvorgänge konnten auf einer abstrakten Ebene - also am Bildschirm – programmiert werden.
Da für die 3D-Simulation die Geometriedaten benötigt werden und das bisherigen CAD System durch Pro/ENGINEER ersetzt wurde, war eine neue Geometrieschnittstelle zu entwickeln. So haben wir Pro/ENGINEER (heute: Creo) kennengelernt und als neues System mit Zukunftspotential eingeschätzt.
Damit haben wir den ersten Baustein des Geschäftsmodells für SF gelegt und sind Software Partner von PTC geworden.
Unser erstes Projekt für Pro/ENGINEER war 1994 die Entwicklung einer Design Automation Lösung für die Konstruktion von Leiterplatten und eine Schnittstelle zum ECAD System Mentor. Diese Lösung war insgesamt 20 Jahre in Betrieb.


Thomas Trägler, Geschäftsführer der Software Factory.

Wie ging es dann weiter nach der Gründung?

Da wir alle Ingenieure waren, ist es durchaus logisch, dass wir in die Richtung der Entwicklung technischer Software gegangen sind. Außerdem hatten wir beschlossen Software zu bauen, die es am Markt nicht gibt.
Eines der ersten größeren Projekte war für den TÜV SÜD, eine Software Lösung für die Überwachung der süddeutschen Kernkraftwerke. Diese basierte auf der Datenbank Ingres mit einer 4GL Entwicklungsumgebung, und hat in dem Rahmen eine Art PDM/PLM-System für die Überwachung von Kernkraftwerken dargestellt.

Gibt es dieses Programm noch?
Diese Lösung war rund 10 Jahren im Einsatz. Als dann eine größere Anpassung und ein Redesign auf aktuelle Betriebssysteme und Softwareumgebungen notwendig war und die Perspektiven für Betrieb der Kernkraftwerke nicht mehr gegeben waren, wollte der Kundenicht mehr in Updates oder Weiterentwicklung investieren.

Weitere Meilensteine?
Ja, es gab dann noch eine dritte "Ecke", in der wir Dienstleistungen rund um den Betrieb von Unix-Systemen angeboten haben. Aufgrund dessen, dass wir an der TU unser Unix System selbst administrieren mussten, verfügten wir über das entsprechende Know-How. Unser erster Kunde hier war die Hypobank, die rund 700 Sun Solaris Rechner im Aktienhandel einzuführen hatte. Hier haben wir das Konzept für eine automatisierte Betriebssystemverteilung entwickelt und den Betrieb mit übernommen.
IT-Betrieb im Unix Bereich ist bis heute ein wichtiges Standbein für uns, dass zum Großteil aus Unix Linux geworden ist.
Einer der nächsten Schritte war, zu überlegen, wie kann die allgemeine Betriebssoftware besser mit der Produktionssoftware gekoppelt werden?
Auch das Thema Mechanical Design Automation (MDA) wurde immer wichtiger: Wie können wir dabei die Konstrukteure bestmöglich in ihren Aufgaben unterstützen? Oft ging es darum, Pro/E „Sachen beizubringen", die es damals nicht konnte.
Im Bereich CAD Datenmanagement sind wir der PTC-Schiene gefolgt. So kamen wir zu Pro/PDM, Pro/INTRALINK und später zur Windchill Produktfamilie. Nachdem wir schon allgemeines Datenmanagement und Datenbank-Wissen aufgebaut hatten, konnten wir hier gut agieren.
Der andere Stich ging in Richtung "Smartproduction", Software für die Produktion. Im Jahre 1999 konnten wir einen großen Auftrag von TRW Airbag Systems gewinnen. Hier war die komplette Software für die Montagelinien der zukünftigen Jahre neu zu entwickeln. Heute nennt man das Manufacturing Execution System (MES) mit Scada Funktionen. Damit haben wir den Einstieg in das Thema „Software in der Produktion“ geschafft.
In der Folge haben wir hier weitere Produktionssysteme realisiert und uns sehr früh mit dem Thema Industrie 4.0 und IIoT (Industrial Internet of Things) beschäftigt.
In dieser Hinsicht haben wir heute einen guten Stand. Zumal unser Partner PTC mit der Innovationsplattform ThingWorx, genau in diese Richtung gegangen ist. Wir sind auch PTC Reseller und Systemintegrator für ThingWorx.
Im Endeffekt können wir als Software Factory die gesamte Digitale Produktentwicklung und die Digitale Produktion abdecken und das als Unternehmen mit 45 Mitarbeitern. Das ist eine Unternehmensgröße bei der man noch flexibel agieren kann und bei der Kommunikation noch direkt und schnell funktioniert.

Wenn Sie eine so große Palette abdecken, brauchen Sie auch Tools, die helfen, Überblick zu bekommen und zu bewahren. Somit wären wir beim Thema Systems Engineering.
Ganz wichtiges Thema, bei dem wir auch mit PTC-Produkten arbeiten, Stichwort 'Integrity'. Wir wissen, wie Digitales Engineering funktioniert und wie die Software-Entwicklung. Wenn man dieses auf die mechatronische Entwicklung übertragen kann, ist man auch in der Lage, einen systemischen (Gesamt-)Ansatz zur Lösungsentwicklung zu machen.


Schematische Darstellung des Werdegangs der SF GmbH, seit 1992.

Ja, und wenn man dabei nicht die Übersicht verlieren will, braucht man das Systems Engineering.
Und da bietet PTC mit der Produktfamilie Integrity eben die gesamte Produktpalette.

Die sicher gut geeignet ist für Großunternehmen, aber für Mittelständler?
Das ist eben die Frage. Ich denke mit zunehmender Produktkomplexität, den Themen Mechanik, Elektronik/Elektrik/Hydraulik und Software in der Maschine, dies erweitert mit IoT, wird auch der Mittelstand um dieses Thema nicht mehr herumkommen. Ich möchte an der Stelle noch anmerken, dass wir bei Integrity auch Reseller und Systemintegrator sind.

Wie sieht es denn mit der Mechatronik selbst aus? Ein Thema über das viele reden, aber wenig machen es bislang in der virtuellen Ebene.
Seit Ende der 90er Jahre befassen wir uns schon mit diesem Thema. Weil wir gesehen haben, dass es sich dabei um ein umfassendes Wissensgebiet handelt, haben wir bereits 1998 die "ITQ" ausgegründet, die sich mit dem Thema Mechatronik und Software im Maschinenbau beschäftig (www.itq.de).

Was in der letzten Zeit auffiel, nicht zuletzt auf der diesjährigen Hannover Messe, ist, dass sich die Themen Simulation und Berechnung langsam durchsetzen. Machen Sie in diesem Anwendungsfeld mit?
Bei der Berechnung machen wir weniger, hier gibt es genügend Standardprodukte. Bei der Simulation aber sind wir aktiv. Wir haben z. B. Lösungen für Audi oder John Deere realisiert, die es erlauben in Creo festzustellen, ob alle Teile in eine Baugruppe kollisionsfrei hineinpassen, ob sie sich  montieren oder demontieren lassen, bis hin zur Bewegungssimulation in Bauräumen.
Das Ganze geht inzwischen noch weiter. Stichwort: Virtuelle Realität (VR). Auch das machen wir heute schon für unsere Kunden möglich.
Weiterhin gibt es einige spezielle Simulationsthemen, z.B. Hydrauliksimulation durch Anbindung entsprechender Softwarelösungen von Drittanbietern an Creo.

Ein ebenfalls wichtiges Thema ist die regelbasierte Konstruktion, also der Bau von Konfiguratoren zur Automatisierung von konstruktiven Arbeiten oder auch Prozessen. Sind Sie in dieser Hinsicht tätig?
Ja, das sind wir. Zum einen haben wir einen Konfigurator, der in der Lage ist, Informationen aus Drittsystemen, welche beschreiben wie eine Konstruktion aussehen muss, in automatisch erzeugte Varianten umzusetzen. Das ist im Prinzip ein Standardprodukt, welches wir immer wieder bei Projekten einsetzen. Ein Beispiel wäre die automatische Konstruktion von Transformatoren, Förderbänder etc., die wir realisiert haben.


Anwendungsbeispiel: Toleranzierung über Farbcodierung.

Wie viele Teile werden dabei von wie wenigen Parametern gesteuert?
Folgendes möchte ich noch anmerken: Je größer ein Assembly wird, desto schwieriger lässt es sich über ein so genanntes 150% Modell abwickeln. Irgendwann verliert man die Übersicht. Deswegen muss man aber nicht auf die Regelbasierung verzichten. Man baut die Konstruktion von unten her auf. Die Intelligenz steckt in den Teilen bzw. in der Konstruktion als Ganzes. Auch das hat einen enormen Beschleunigungseffekt.
Wir haben heute mehrere Konfiguratoren als Kundenlösung. Viele Kunden sehen die Konfiguration als großen Wettbewerbsvorteil und wollen weder diesen mit anderen teilen, noch wollen sie das darin enthaltene Know-How womöglich noch an ihre Wettbewerber weiter geben. Also hat jeder seine eigene Asuprägung.


Vergabe von Maßen und Toleranzen für die Inspektion eines Teils.

Welche Beschreibungssprache nutzen Sie, um die technischen Objekte zu beschreiben?
Hier setzen wir auf den Standard Automation ML (AML).

Herr Trägler, haben wir damit so in etwa das Tätigkeitsspektrum von SF beschrieben?
In etwa schon. Ich möchte in jedem Fall noch auf unsre SF-Apps hinweisen, die in großer Vielzahl vorliegen und zusammen mit Creo das Leben der Anwender wesentlich erleichtern. Ich nenne wenige als Beispiel. So ist z.B. SF WALLCHECK für die Überprüfung von Wandstärken und Abständen ein sehr geeignetes Tool oder SF INSPECT für die Qualitätskontrolle von Teilen. SF MERGE ist die Lösung für die Datenmigration im Umfeld von PTC Windchill. Näheres dazu unter

https://www.sf.com/produkte/mechanical-design-automation/

Herr Trägler, vielen Dank für das Gespräch.


www.sf.com

- Karl Obermann -

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