Hallo Gemeinde,
dies ist mal keine Frage in die Runde, sondern soll ein Verfahren vorstellen, dass ich mir ausgedacht habe und für so nützlich erachte, dass ich es teilen möchte. Mit Sicherheit über mehrere Posts gesplittet, mit Vorstellung der notwendigen Hilfsmittel und - letztendlich - einigen parametrischen/dynamischen Beispielblöcken.
Schon bei der Formulierung des Betreffs für diesen Thread habe ich mich ungewöhnlich schwer getan, obwohl mich das Thema seit mittlerweile ungefähr 30 Jahren umtreibt:
Wie in AutoCAD ohne irgendwelche Aufsätze wirklich exakte(!!!) Abwicklungslängen für Blechkantteile ermitteln, die auf einer bestimmten Maschine (Kantbank, Kant-Nibbler oder -Laser ...) gefertigt werden?
Vorab gleich eine wichtige Einschränkung der Lösung, die ich hier präsentieren möchte: man benötigt eine CNC-Maschine, die vom Hersteller bereits mit einer Software bestückt wurde, in die elektronisch oder händisch beliebige Kantbilder eingespeist werden können, um die maschinenspezifische (sic!) Abwicklungslänge für das vorgegebene Kantbild und Material zu ermitteln.
Eine weitere Einschränkung der hier vorgestellten Methode: es können immer nur Abwicklungen über parallel verlaufende Kantungen ermittelt werden. Benötigt man also die Abwicklung für ein Quader-förmig gekantetes Blech, muss die Methode zweimal verwendet werden: einmal für die Abwicklungslänge in waagerechter und einmal für die in senkrechter Richtung. Über Hilfskonstruktionen können auch für nicht-orthogonale Kantteile mit nicht-parallelen Kantungen die Abwicklungen ermittelt werden, aber dazu erst deutlich später.
Und leider noch eine dritte Einschränkung, die allerdings nur dem Tagesgeschäft und den dort zu 99% notwendigen (und möglichen) Kantwinkeln geschuldet ist: die vorgestellte Methode wurde von mir nur für den Bereich von 180° bis 60° Innenkantwinkel entwickelt. Für deutlich kleinere Innenkantwinkel (50° bis 0° = umgefalzt) funktioniert diese Methode nicht, und man sollte für die Abwicklungslänge über solche Kantungen einfach auf die Länge der Mittellinie ausweichen ... oder - falls enthalten - die entsprechenden Abzugswerte aus den unten erwähnten Abzugstabellen verwenden.
Der gedankliche Durchbruch zum Thema kam für mich mit einem - für den kleinen Metallbauer im Münsterland, bei dem ich damals als Konstrukteur tätig war - ungewöhnlichen Auftrag über Blechgehäuse für die Monitore eines Guide-Systems in einem Karlsruher Museum. Die zweiteilig ineinander gesteckten Gehäuse aus Muster-gebürstetem Edelstahlblech mussten lichtdicht sein und die sowohl in der Front als auch unten, an beiden Seiten und der Rück-/Montage-Seite befindlichen Öffnungen für Monitor, diverse Taster, Platinenbefestigung, die Anschluss-Buchse für das Kabel des Duschkopf-ähnlichen Hörers (frühe 2000er halt
), die Verschraubungen der Gehäuseteile usw. mussten bereits beim Lasern der Blechabwicklungen genau positioniert sein, um nach dem Kanten ohne Nacharbeit an dem empfindlichen Material exakt zu den verbauten Elementen zu passen.
Da wir keinen Laser hatten, und die Grob-Stahlblech-Abkante in unserer Werkstatt für so diffizile Arbeiten nicht geeignet war, war die Konstruktion der Gehäuse (mit mehreren Abänderungen wegen Änderungen an der zu verbauenden Hardware) mit viel Fahrerei und Kontakt zu sehr hilfreichen Mitarbeitern anderer Firmen verbunden, in deren Verlauf mir klar wurde, dass wirklich gute Abwicklungen immer sowohl vom verwendeten Material, der Materialdicke als auch - und vor Allem - von der Maschine abhängen, mit der das Blech schlussendlich gekantet wird.
Jeder kennt die Abzugstabellen, die für bestimmte Materialien, Blechdicken und Kantwinkel(bereiche) Abzugswerte vorgeben, die angenäherte Abwicklungslängen ermöglichen ... in Tabellenbüchern, als Schiebe-Dingse oder als Ausdruck an der Wand oder in einem Ordner ... reichen für 08/15-Abwicklungen ohne größere Ansprüche durchaus aus, sind jedoch nicht wirklich benutzerfreundlich, und die erzeugten Abwicklungen stimmen eben leider doch "nur so ungefähr".
Daher hatte ich irgendwann Ende der 90er Jahre die Idee, es müsse doch möglich sein, im CAD irgendwie das Verhalten der neutralen Faser eines gekanteten Bleches nachzustellen, und damit dann irgendwie - wie, darüber war ich mir damals noch nicht im Klaren, aber über die Zeit seit dem habe ich doch Einiges dazugelernt - automatisch eine Abwicklungslänge zu erhalten.
Bei einem sehr frühen gedanklichen Ansatz (der allerdings komplett fehlschlug) ging ich davon aus, dass bei einer Kantung das Material im umgeformten Bereich innerhalb und außerhalb des Bogens der neutralen Faser doch bestimmt die gleiche Fläche einnehmen würde - wie es ja vor der Kantung auch war. Long story short: interessantes geometrisches Experiment, aber für das Ziel exakter Abwicklungslängen ein totales Desaster.
Allerdings wurde mir durch die detaillierte Beschäftigung mit der Veränderung des Radius der "neutralen Faser" (die ich ab da - für mich und die vorgestellte Methode deutlich sinnvoller - als Abwicklungslinie bezeichnete) im Bereich von Kantungen klar, dass sich genau hier die Lösung befinden müsse.
Aber dazu mehr im nächsten Post.
Falls dieses Forum für so etwas doch nicht der richtige Ort sein sollte, bitte kurze Nachricht an mich ... ich will ja mit meiner lahmarschigen und weitschweifigen Art nicht unwissentlich gegen irgendwelche Forums-Regeln verstoßen. Oder - Gott bewahre - Leute langweilen 
Grüße
Gernot
------------------
Die Goldene Regel:
"Was du nicht willst, das man dir tu,
das füg auch keinem andern zu."
Die Salzregel:
"Was immer man mir zugefügt hat, das darf ich auch anderen zufügen; und was immer andere getan haben, das darf man auch ihnen antun."
frei nach Naomi Alderman, The Future
[Edit 1] Typo
[Diese Nachricht wurde von ArCADe-Spieler am 29. Okt. 2026 editiert.]
Eine Antwort auf diesen Beitrag verfassen (mit Zitat/Zitat des Beitrags) IP