Zu meiner Zeit wurden neue Mitglieder begrüßt, das sei hiermit nachgeholt.
Dann bin ich am anderen Ende des beruflichen Weges, ein paar Monate noch, dann ist Rente. In Job bin ich in der Branche, wo 1/10 eines tausendstel Millimeters das Körpermaß ist mit einer Toleranz von +-10%. Meßgeräte dürfen davon wiederum 10% beanspruchen.
Dann gehöre ich zur Fraktion, die das mit der papierlosen Fertigung schon 25 Jahre macht und damals sich selbst entwickelt hat. Das kommt fast von selbst, wenn man 3d-CAD und CAM hat und die konstruierten Teile auch gleich fertigt, was einem Konstrukteur eh nicht schadet.
Die HASCO-Farbtabelle kannte ich noch nicht, das Haus hat mir einst Vorprodukte aus dem Sortiment genommen, womit man das Haus aus den Augen verlor. Ich finde, die Tabelle zu fein aufgelöst, es gibt auch Leute mit eingeschränktem Farbsehvermögen. Und generell – das lernt man recht flott – ist Mitte-Toleranz-Modell angesagt mit ganz wenigen Ausnahmen.
Mir war nur die Farbtabelle der Autoindustrie bekannt, von der aber auch schon lange nichts mehr gehört.
Mit der durchgängigen 3d-Arbeitsweise ging dann so ziemlich das ganze genormte Toleranzsystem den Bach runter, denn es müssen auch Form- und Lagetoleranzen und Oberflächenbeschaffenheiten mit rüber ins Modell. Vorher hatte man Wandposter mit den Tabellenwerken. Tabellenbücher sehen sehr schnell gebraucht aus und EDV überlebt in der feuchten und öligen Werkstattumgebung nicht lange.
Vor ein paar Jahren bekamen wir im Job einen neuen Kollegen in oberen Rängen, der felsenfest davon überzeugt war, ohne technische Zeichnung könne man kein korrektes Teil fertigen. Er ging davon aus, daß Konstrukteure nie Fehler machen, die Zeichnungen also grundsätzlich fehlerfrei sind. Also wieder mit Zeichnung, was die Konstruktionszeiten erheblich verlängerte und die Fehlerrate wieder drastisch erhöhte.
Zudem war er der Ansicht, ein Monteur könne beim Feststellen eines Fehlers nicht einfach (zu mir) in den Musterbau gehen und ändern lassen. Und der Musterbau meldet die Änderung dann an die Konstruktion zwecks Revision weiter. So wartet der Monteur meist nur eine halbe Stunde. Bei ihm mußte der Monteur zur Konstruktion gehen, die ändert mit Revision, das im PDM und freigeben, dann rüber ins ERP, was Stunden dauert. Dann Auftrag an den Musterbau und erst jetzt darf der Musterbauer, da war flott eine Woche weg. Und der Kollege auch bald wieder.
Die App hab ich mir natürlich angeschaut, würde mir aber jetzt kein Urteil erlauben, weil eben schon zu lange in der papierlosen Gruppe. Wenn man zu mir kommt und sagt, man möchte ein Stiftchen in Alu, daß es hält, dann hält es. Und nicht H7/k6, dann weiß ich zwar auch, was der Kollege will, aber er kann es auch direkt sagen.
Das Thema – man beachte das Datum – gab es schon mal, da war sogar noch der Hr. Prof. Dr. Wyndorps mit von der Partie:
https://ww3.cad.de/foren/ubb/Forum202/HTML/000648.shtml
Für meinen Teil bin ich auch kein Toleranzfetischist, meine Farbtabelle ist viel kürzer als die von Hasco. Obige Oxidschicht auf Silizium mit 1/10000mm kann man übrigens mit einem Spektralinterferometer messen oder einem Ellipsometer. Oder – mit Übung per Augenmaß, die ist schön tiefblau.
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