Hi Falko,
ob sich Cabling lohnt, würde ich pauschal nicht sagen wollen. Es kommt halt drauf an:
- Soll Cabling bei Euch ein spezielles Problem lösen?
- Sollen evtl. ein paar Prozesse schneller laufen?
- Sollen wiederkehrende Konstruktionsfehler zwischen den Abteilungen, z.B. Kollisionen, eleminiert werden?
- Sollen frühzeitig mehr Informationen, z.B. Kabellängen ermittelt werden?
Erst nach Beantwortung der Fragen nach dem Zweck würde ich mit der Anschaffung beginnen.
Den Preis für Cabling, das es wie ich zuletzt gehört habe, in einem "Routing-Package" zusammen mit Piping gibt, kannst Du ja schnell beim Vertriebler Deines Vertrauens erfragen.
Nun zur Einführung.
Prozesse
Vorab sollte geklärt werden, ob nicht nur Pro/CABLING gemacht werden soll, sondern auch noch die "platte" Darstellung der Kabelbäume für Zeichnungen mit Pro/HARNESS dazukommt. Also eigentlich sollte der gesamte Prozess rund um die Verkabelung angesehen werden.
- Welche Info kommt rein, welche Info geht raus? Und das ganze so, wie´s momentan aussieht und dann, wie´s nachher aussehen soll.
Weiter geht´s mit der Zusammenarbeit mit der Mechanik:
- Wie soll die Baugruppen- und Bauteilstruktur in Pro/E aussehen, wenn das Kabelzeugs dazukommt?
- Wie sollen die Infos zu z.B. einer eigenen Baugruppenstruktur rüberkommen (Copy Geom)?
- In welchen Strukturen liegen die Bauteile der Elektrik?
- Wie und wo werden Bauteile und Baugruppen in die Gesamt-Modellstruktur eingebunden, welche beide Fraktionen, Mechanik und Elektrik, interessieren? (z.B. Motoren)
- Wird es evtl. eine Kopplung von el-CAD und Pro/E geben?
Datenmanagement
- Wie wird die Zusammenarbeit mit einem PDM/PLM-System aussehen?
- Kann das PDM/PLM auch mit den Cabling-Daten?
- Wie wird der Gesamtprozess mit einem evtl. el-CAD aussehen?
- Wie sieht eine evtl. Kopplung an PPS (z.B. SAP) aus, wenn sowohl das el-CAD, als auch Pro/E mit Cabling die Daten und Infos liefern?
- Wer verändert die Normteile, z.B. Stecker, und wie? Welche Berechtigungen sind z.B. einem Elektriker hier in der Mechanischen Konstruktionsstruktur zu geben?
- Gibt das aktuell auf Mechanik zugeschnittene Nummernsystem es her, auch die Elektrik abzubilden?
Ausbildung
Nehmen wir einmal einen durchschnittlich mechanisch begabten Elektriker an, der neu in Pro/E einsteigen soll. Geklärt werden muss vorher, ob es sich lohnt, das Wissen aufzubauen. Wenn der Gute nur alle 3 Monate mal ein Projekt mit Pro/E macht, dann ist schnell alles vergessen.
Mein Vorschlag zu einer optimalen Ausbildung dazu wäre:
- 5 Tage Grundkurs mit Bauteilen, Baugruppen und Zeichnungen
- Mindestens 40 Stunden praktischer Erfahrung als Hiwi in der mech. Konstruktion, um das Gelernte zu vertiefen
- 2 Tage zu erweiterten Baugruppen (Vereinfachte Darstellungen, Copy Geom, Ext. Copy Geom, ...)
- Ideal wäre noch ein 2-tägiger Kurs zur Zeichnungserstellung, wo´s tiefer reingeht, z.B. mit VD in Zeichnungen, Darstellung benachbarter Körper usw. . Muss aber nicht unbedingt.
- 1 Tag theoretische Ausbildung in Pro/CABLING an Beispielmodellen
- 1-2 Tage praktischer Einführung anhand eines Projektes aus der Praxis mit professioneller Unterstützung.
Natürlich kann man ja auch (die Mechaniker werden mir sicherlich verzeihen) die Idee durchspielen, das die mech. Konstruktion die Kabel in die Baugruppe reinlegt, nach Vorlage des Kabelplanes. Dann sind jedoch evtl. Parallelisierungen beider Abteilungen nicht mehr so tief gegeben, wie anders. Man spart jedoch an der Ausbildung des Elektrikers in Pro/E.
Dokumentation und Richtlinien
Generell sollten die beantworteten Fragen in einer Dokumentation festgehalten werden. Also die Beschreibung der Abläufe, bis hin zu den Kleinigkeiten der Benennung der Modelle und dem Pro/E-Gesamtstrukturbaum.
So oder so ähnlich würde ich ein Projekt zur Einführung von Cabling angehen. Es kommt natürlich darauf an, wie groß ihr seid, wie viele Leute in dem Projekt beteiligt sind, was verbessert werden soll, ... .
Solch ein Projekt, sagen wir mal für einen Mittelständler
- kann einfach sein, wobei eine 08/15-Anwenderschulung mit einem 1-tägigen Workshop in Cabling kombiniert wird
- kann das Minimum enthalten, z.B. eine 5-8 Tägige Ausbildung und eine 2-tägige Beratung von Aussen
- kann optimal sein, wobei eine 8-10 tägige Ausbildung des Elektrikers enthalten ist, und auch die externe Hilfe von 6-8 Tagen.
Wenn´s ein größeres Unternehmen ist, das PDM/PLM plus PPS plus el-CAD einsetzt, dann sollte man nicht nur bei der externen Hilfe deutlich aufstocken, sondern auch noch in Richtung von Kopplungen und Automatismen tiefer nachdencen. Bei einem meiner Projekte hatte ich alleine für die Erstellung des Pflichtenheftes zur Einbindung der Elektro-Konstruktion ein Budget von 10 Manntagen (plus die Zeit, welche die MItarbeiter des Kunden in den Besprechungen investiert hatten).
Viele Grüße
Detlef
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