GzW: N-Schiene bei 1600-A-Einspeisung auslegen #467Kurzfassung
Die N-Schiene wird nicht automatisch nach dem Hauptschalter mit 1600 A ausgelegt, sondern nach dem zu erwartenden Neutralleiterstrom. Ist dieser nicht sicher bestimmbar, ist eine konservative Auslegung sinnvoll.
Bewertung
Bei einer Einspeisung 3P+N+PE mit 1600 A gilt:
- Bei überwiegend symmetrischen 3-phasigen Verbrauchern ist der Strom im N-Leiter meist deutlich kleiner.
- Bei vielen 1-phasigen oder nichtlinearen Verbrauchern kann der N-Leiter stark belastet werden.
- Oberschwingungen, insbesondere 3. Harmonische, können sich im Neutralleiter addieren.
- Wenn der Neutralleiterstrom nicht belastbar nachgewiesen werden kann, sollte der N entsprechend der Außenleiter bzw. nach Hersteller-/Normvorgaben dimensioniert werden.
Praxisansatz
Eine kleinere N-Schiene, z. B. 40x10 statt 100x10, kann vertretbar sein, wenn dokumentiert wird, dass nur geringe N-Ströme auftreten. Das passt typischerweise bei Maschinenanlagen mit überwiegend 3-phasigen Motoren und nur wenigen 1-phasigen Verbrauchern wie Steckdosen, Beleuchtung oder Steuerung.
Wichtig
Bei Rückfragen sollte die Auslegung begründet werden können, z. B. durch:
- Verbraucherliste mit 1-phasigen und 3-phasigen Lasten
- Abschätzung der maximalen N-Belastung
- Bewertung nichtlinearer Verbraucher und Oberschwingungen
- Angaben des Schaltanlagen-/Sammelschienenherstellers
- ggf. Messung oder Überwachung des Neutralleiterstroms über den 4-poligen Leistungsschalter
Fazit
„N immer 100 % der Phase“ ist als pauschale KI-Aussage zu grob. Richtig ist: Der N ist nach tatsächlicher bzw. nachweisbarer Belastung auszulegen. Ohne Nachweis bleibt die 100-%-Auslegung die besser verteidigbare Variante.