Das ist ein recht aufwändiges Thema.
Vorne weg, ich habe keine Erfahrung mit HiCAD-Schnittstellen für Autodesk Software (wenn es überhaupt spezifische dafür gibt?) und als Einzelarbeitsplatz von 15 Jahren wenig Erfahrung mit anderer Arbeitsmethodik als meiner eigenen.
Da ich mich aber dieses Jahr mit Revit und Inventor auseinandersetzen durfte, kann ich zumindest einen Vergleich von dieser Seite her machen.
Zum allgemeinen Arbeiten mit HiCAD:
Hicad ist extrem flexibel in der Konstruktionsweise, weil Parametrisierung und Constraints nicht default sondern optional sind.
Man kann sehr schnell und einfach, und auf diversen Wegen Teile oder ganze Konstruktionen aufreissen, und Bauteile einfach mal Pi*Daumen in die Konstruktion schmeissen. Wenn etwas nicht passt, stellt sich das Programm nicht quer, aber man ist dafür selbst verantwortlich sicherzustellen, dass Bauteile zusammen passen. Die Baugruppenstruktur ist auch fast vollständig frei. Für simple Konstruktionen ist das alles ein Segen, wo man sich in der Autodesk Suite schon sehr gut im Vornherein überlegen muss, wie man an eine Sache rangeht, um nicht in Sackgassen zu enden.
Es gibt auch diverse Tools die gewisse Arbeitsschritte oder ganze Konstruktive Lösungen zusammenfassen und über Masken steuern lassen, bei denen Parametrisierung und Constraints im Hintergrund automatisch angelegt werden, was für die gängigsten Anwendungen im Stahlbau sehr praktisch ist, jedoch fällt da halt die Flexibilität schnell mal weg, wenn etwas nicht standard ist. Nachbearbeitung so erstellter Teile/Baugruppen/Arbeitsschritte ist möglich, aber spätestens wenn Teile gelöscht wurden, kommen dann auch Fehlermeldungen auf und man ist ev. besser bedient diese Teile neu zu erstellen als sie zu reparieren versuchen, oder in Voraussicht gar händisch zu erstellen. Bspw. können rudimentäre Geländer sehr schnell und einfach erstellt werden, aber wenn händische Nachbearbeitungen gemacht werden (was so gut wie immer nötig ist) ist schnell mal nichts mehr mit anpassen über die Maske.
Man kann wohl auch eigene konstruktive Varianten für diese Tools erstellen, aber das ist nichts für Laien.
Im Bereich Blech ist Hicad sehr speditiv und angenehm zum arbeiten.
Im Stahlbau eigentlich auch.
Im Metallbau (also Systemprofile, vor allem Pfosten-Riegel-Zeug) bedarf es erst mal, dass die Profile- und Teile-Bibliotheken eingepflegt, oder selbst angelegt werden, was brutal aufwändig und nichts für Anfänger ist. Entweder man heuert jemanden an, der das für einen macht oder einen zumindest anleitet. Ohne ist es fast unmöglich. Mangels dessen bin ich nie dazu gekommen die Tools dieses Moduls zu nutzen, aber wenn diese Hürde mal überwunden ist, kann man wohl schon recht tolle Sachen damit anstellen. Für simple 2D-Verglasungen ist man ev. besser bedient mit einem dedizierten Tool wie Logical mit entsprechenden Lizenzen zu arbeiten. Gibt auch Schnittstellen dafür.
(Man kann schon auch mit den rudimentären Standard und Stahlbau-Funktionen Systemverglausngen, bspw mal eine Jansen-Türe modellieren, aber der Aufwand ist so gross, dass man sowas nicht konkurenzfähig verkaufen kann.)
Was die Plangestaltung angeht, ist Hicad viel flexibler und meines Erachtens besser aufgestellt als so ziemlich alles was standard Autodesk zu bieten hat.
Allerdings müssen auch in HiCAD erst mal eine ganze Reihe Einstellungen getroffen werden um den Normen oder den betriebs-internen Methoden gerecht zu werden. Ev. mal die lokale ISD-Vertretung fragen ob es für eure Branche spezifische Einstellungspakete gibt, oder ob sie diese für euch zusammenstellen können.
Die Planerstellung (Ansichtsgruppen/Bemassung/Beschriftung) für standardisierte Teile und Baugruppen kann auch mit Regeln automatisiert werden, aber das ist auch etwas das ein Laie nicht so einfach hin bekommt und die Qualität ist recht lau. Bislang konnte niemand im Forum auch nur irgendwelche Beispiele vorweisen, wo dies gewinnbringend angewendet werden konnte. (Derzeit sei dieser Aspekt in Überarbetung, also vielleicht bessert das mal)
Das ganze ist schlussends eine Frage eurer Qualitätsansprüche. Wenn man nur Fliessband-taugliche Pläne will, kommt man sicher weit, aber wenn man immer individuelle Konstruktionen hat und Wert auf saubere und optimierte Darstellung legt, muss man sich auf viel Handarbeit einstellen. Das ist aber auch in allem von Autodesk der Fall. Autodesk hat mit der Verknüpften Parametrisierung gewisse Bequemlichkeiten, aber auch sehr harte Restriktionen.
Ich habe leider keine Erfahrung mit dem Anpassen der Teilebibliotheken in Autodesk, daher kann ich nicht sagen ob es dort einfacher ist, aber in HiCAD war es schon ein riesen Aufwand die Kataloge auszumisten und denen unseren Lieferanten anzugleichen. Dafür würde ich auch jemanden anheuern der sich auskennt und das mit dem zusammen zu machen. (Muss man ja hoffentlich nur einmal machen)
Wenn man mit mehr als einem Arbeitsplatz arbeitet und vorallem auch wenn man Helios (die zugehörige PDM-Software) nutzt, muss derjenige der das ganze verwaltet schon wissen was er tut.
Man kann ganz gut ohne PDM-Software arbeiten, aber je nach Komlexität eurer Projekte, Datenstruktur, Workflow und wieviele Köche an einem Brei arbeiten, ist es zu empfehlen diese dazu zu nehmen. Das beinhaltet auch diverse Tools die standard HiCAD nicht bietet. (Schon so simple Dinge wie ein Plott-Manager mit dem mehr als nur ein einzelner Plan aufs mal ausgegeben werden kann, oder korrekte Versionierung sicherzustellen, fehlt ohne das oder sonstige Zusatzmodule)
Es ist theoretisch möglich mittels API programmierung eigene Tools zu erstellen um den Workflow (auch softwareübergreifend) zu optimieren, aber mangels gescheiter Dokumentation und Schulungen ist das nur was für studierte Programmierer. Bei Bedarf kann auch ISD gegen entsprechendes Honorar Lösungen ausarbeiten. Wenn ihr auf etwas spezialisiert seit, lohnt es sich nach der Eingewöhnung zumindest mal anzufragen.
Ich würde empfehlen die Zeit und das Geld zu investieren, ein-zwei konkrete Besipiele eurer Konstruktionen bei ISD oder bei einer Firma die ähnliches macht ganzheitlich durch zu arbeiten, um zu sehen, was speditiv und was beschränkt ist.
Mit Produktivitätseinbussen bei der Umstellung ist definitiv zu rechnen. HiCAD hat fundamental andere Methodik als Autodesk was Zeit zum erlernen und angewöhnen braucht. Ohne Beistand zum Einrichten der Arbeitsplätze auf eure Bedürfnisse kann sich das auf Monate bis Jahre erstrecken. Kommt wiederum auf die Komplexität eurer Arbeit und die Qualitätsansprüche an. Einfache Geländer oder Stahlbau-Rahmen und zweckdienliche Auszüge erstellen kann man nach ein paar Tagen. Eine ganze Stahlbau-Halle samt Verglaster Fassade erstellen und optimierte Werkstadt-Pläne mit wenigen Klicks ausgeben können... laaange.
Ob das mit anderen Systemen besser aussieht, weiss ich nicht.
DIY-Lernaufwand war vor 15 Jahren schlicht gigantisch, das hat sich aber dank Wiki und Forum stark gebessert. Dennoch kann ich nicht genug betonen, dass Beistand eines HiCAD Veteranen oder ISD-Technikers das Geld mehr als wert ist. (Sinnvollerweise nach Grundschulung und einem Monat einarbeiten)
Betreffs Zusammenarbeit mit anderen Firmen/Software:
Datenaustausch (vorallem BIM gerecht) ist wohl möglich, aber damit habe ich in HiCAD keine Erfahrung. Ich arbeite in dieser Hinsicht wenn dann ausschliesslich mit STEP, was entsprechende Limitationen mit sich bringt. Daher kann ich auch nichts zu Einbindung/Import bestehender Projekte aus Autodesk sagen.
Das wird vermutlich der Wichtigere Faktor für euch sein als alles obige, daher würde ich da so viel Zeit investieren wie nötig um konkrete Antworten zu bekommen vor ihr eine Entscheidung trefft.
[Diese Nachricht wurde von Stallnig am 03. Nov. 2026 editiert.]
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