ANFÄNGER IM PRODUKTDESIGN sucht Workflow / Allgemeines CAID - CCAD
Durio 29. Jan. 2013, 11:11

Guten Tag,

als Anfänger im Produktdesign (Erfahrungen in SOLIDWORKS vorhanden) habe ich mich gefragt, wie ein möglicher Workflow aussehen könnte wenn organische Freiformen ins Spiel kommen.

Nehmen wir an, ich möchte eine sehr organische Form kreieren. Dies wäre meiner meinung mit MUDBOX oder MODO601 sehr gut zu bewerkstelligen. Oder würdet ihr eine andere Software wählen? SolidWorks bietet da zwar Werkzeuge, diese sind aber nicht so sehr intuitiv und dem Bauteil soll die Entstehung durch CAD nicht anzusehen sein.

Was passiert dann mit den Daten? Leider kann ich ja aus den genannten Programmen MUDBOX und MODO601 keine technischen Zeichnungen exportieren, was ja auch bei Freiformen eher Quatsch ist. Wie gehe ich vor wenn ich diese Form als erstes in einer Art Konstruktionsschaum (wer sowas wohl macht udn darauf spezialisiert ist??) fräsen lassen möchte um davon eine Form zu bauen?

Habt ihr eine Vorgehensweise aus eurer Praxis oder so?

Herzlichen Dank und Gruß

Rainer Schulze 29. Jan. 2013, 17:24

>>MUDBOX oder MODO601

Diese Programme sind wohl eher für den Unterhaltungsbereich gedacht.
Autodesk beschreibt ja nicht einmal, welche Schnittstellen Mudbox bietet.

SWX ist wohl eher für fertigungsgerechte Konstruktionen geeignet.
Natürlich auch das NX mit dem ich arbeite...

>>und dem Bauteil soll die Entstehung durch CAD nicht anzusehen sein.

Wo ist das Problem?
Du bist kein Künstler, sondern Deine Bauteile sollen später mal produziert werden.
Da sind CAD-Systeme nun mal die üblichen Hilfsmittel.
Und ich kann in NX alle Formen erzeugen, die sich produzieren lassen, auch "schöne".
Wenn Du etwas "Realistisches" oder "Organisches" haben willst, kannst Du sogar aus einem 3D-Scan ein Konstruktionsmodell erzeugen. Es ist halt alles eine Frage der Übung und des Aufwands.

>>...keine technischen Zeichnungen ...

Es wird immer mehr mit 3D-Modellen gearbeitet.
Ob 3D-Druck (Rapid Prototyping) oder NC-Programmierung - beim Zusammenbau einer Baugruppe wird man gerne Zeichnungen zu Hilfe nehmen, aber die Fertigung von Einzelteilen basiert zunehmend direkt auf dem 3D-Modell.

>>...diese Form als erstes ...

Das Stichwort heißt Rapid Prototyping.
Siehe auch http://ww3.cad.de/cgi-bin/ubb/forumdisplay.cgi?action=topics&forum=3D+Printing+und+Prototyping&number=128
( cad.de -> Hardware -> 3D Printing und Prototyping )
Dienstleister findest Du im Internet per Suchmaschine.

Norbert_Grund 07. Feb. 2013, 13:23

wenn's um Produkt-Design im Sinne von fertigbaren Objekten geht und organische Freiformflächen modelliert werden sollen, ist ein direkter (= ohne Parametrie/Formeln o. Constraints) NURBS-Modellierer für die Erzeugung exakter Daten (und kein Gitternetz-Modellierer) sicherlich erste Wahl.

Für ein Produkt-/Industrie-Design sind daher NURBS-Modellierer wie Rhino oder FormZ oder Shark FX im Low-End/Mid-Range Bereicht recht verbreitet. Mit den Schwergewichten wie Catia, Creo, NX oder ICEM Surf kann man dies und vieles mehr natürlich auch erledigen, bei steiler Lernkurve und - vorbehaltlich Studis - entsprechendem Einsatz finanzieller Mittel. Es können natürlich auch - bis auf Rhino - 2D Zeichnungsableitungen für z.B. die Produktion usw. erstellt werden.

Zur Fertigung werden die erzeugten Modelle typischerweise als NURBS-basierte Flächen und Volumenkörper in ein passendes 3D-Format wie STEP, IGES oder SAT ausgegeben und von einer CAM-Software weiterverarbeitet. Natürlich lassen sich für ein z.B. 'Rapid Prototyping' per 3D-Drucker auch tesselierte Facettennetze in Formaten wie STL, OBJ, 3DS usw. exportieren. Womit man u.U. allerdings die Möglichkeiten der CAM-Software bezüglich der Erzeugung einer für die Maschine optimierten Auflösung und Qualität eingrenzt.

Wenn's nur um ein Einzelstück oder ein 'wild' geformtes Schreibtisch-Gadget geht, kann man sich natürlich auch etwas mit einem Gitternetz-Modellierer wie Modo oder zur Not auch SketchUp plus Plugins 'zusammenkneten' und drucken lassen... das hat dann aber weniger was mit (C)CAD zu tun.

Norbert

Durio 08. Feb. 2013, 10:47

Oh vielen Dank für diese ausführliche Info.
Was wäre denn, wenn ich die Form zunächst 1:10 in Clay modelliere und anschließend mit einem DAVID Laserscanner oder vielleicht sogar 123D Catch in eine Punktewolke wandele. Der professionelle Service würde mit ca. 600eur zu Buche schlagen. Das ist mir dann doch zu teuer.
Leider habe ich nur Zugriff auf Solid Works als parametrisches CAD, was nicht gerade ein Stern am Punktewolken Firmament ist. Nämlich gar keiner. Eigentlich müsste im nächsten Schritt aber nur eine Skalierung und die Glättung vorgenommen werden. Danach soll in 1:1 aus Styropoor ein Master gefertigt werden.

Mir geht es vor allem darum, das man der entstehenden Form nicht den Ursprung eines CAD Systems ansehen kann.

Norbert_Grund 13. Feb. 2013, 13:17

kannst du natürlich probieren wobei Punktwolken je nach Auflösung doch recht mächtig und somit fordernd für das System werden können...

... einfach mal mit dem freien SketchUp und dem 'Point-Cab' Plug-in oder einer Kombination aus dem freien 'Cloud' und u.U. dem 'Triangulate Points' Plug-in austesten.

Skechup mag keine Flächen kleiner ~1mm Kantenlänge, daher in diesem Fall beim Import per 'Cloud' Plug-in die Triangulation nicht sofort laufen lassen sondern ggf. die Punktwolke erstmal um z.B. den Faktor 10x grösser skalieren, dann per 'Triangulate Points' meshen und wieder passend kleiner skalieren.

Analog dazu bei sehr grossen Punktwolken beim Import per 'Cloud' Plug-in die Triangulation nicht sofort laufen lassen sondern nach dem Import per 'Triangulate Points' einzelne Bereich der Punktwolke meshen.

Versuch macht kluch,
Norbert