Rohrklassen / Rohrleitungsplanung
ibgross 26. Aug. 2019, 19:09

Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen;

als Konstrukteur und Statiker für Druckbehälter und Rohrleitungen stellte ich in jüngerer Vergangenheit immer wieder fest, dass viele Firmen (insbes. die Größeren) mit Rohrklassen arbeiten.

Die Motivation ist klar; bei Verwendung von Rohren, Flanschen und Fittingen aus einer durch eine benannte Stelle (z.B. TÜV) geprüften Rohrklasse, soll die Berechnung entfallen.

Dabei stelle ich immer wieder folgende Probleme fest:

Gem. DGRL muss für einen bestimmten Wert des Prüfdrucks ein expliziter Nachweis erbracht werden und wird auch von der benannten Stelle verlangt.
In den mir bekannten Rohrklassen sind aber nur die max. Betriebsdrücke hinterlegt.
Den zusätzlichen Nachweis für den Prüfdruck will dann aber keiner bezahlen.
Kunde: "Wieso Berechnung, wir arbeiten doch nach Rohrklasse."
TÜV: "Gem. DGRL 2014/68/EU ist der Nachweis zu erbringen und Gegenstand der Entwurfsprüfung."
Betreiber: "Wenn kein Stempel auf der Entwurfsprüfung - dann kein Geld."

Oft werden bzgl. Auslegung die Berücksichtigung von Stutzenzusatzlasten (z.B. gem. AD2000 S3/6) verlangt. Dann ist neben der expliziten Auslegung gem. AD2000 S3/6 der max. zul. Betriebsdruck und der Prüfdruck um 10% zu erhöhen.
In den mir bekannten Rohrklassen ist unklar, ob dies berücksichtigt ist.

Auch unklar ist die Verfahrensweise, wenn in den Bauteilen aus einer Rohrklasse Ausschnitte vorhanden sind. Oft muss der Mantelwerkstoff gem. AD2000-B9 scheibenförmig verstärkt werden.
Um die zu ermitteln, muss dann eh gerechnet werden.

Somit sind Projekte im Druckbehälter- und Rohrleitungsbau mit Verwendung von Rohrklassen m.E. mit Vorsicht anzugehen.
Die Aussage, dass hier kein berechnungstechnischer Aufwand entsteht, ist meistens schlicht unwahr.

Solltet ihr hier andere Erfahrungen oder zusätzliche Anmerkungen haben, bin ich auf eure Antworten gespannt.

Beste Grüße
Michael

cadwomen 27. Aug. 2019, 08:41

Hy Michael,

kann jetzt sicher nicht so einen tiefen Blick da rein werfen, und nur von meinen Erfahrungen im ACAD Plant3D
umfeld zutragen, auch dort wird mit Rohrklassen gearbeitet aber bei ein Vielzahl meiner Erfahrungen
nicht aus dem Grund um sich die Berechnung hinterher zu ersparen, wiel bei fast allen ging es drum ... wie bekomm
man möglichst viel Daten nach zb. Rohr2 und noch wichtiger .. wieder zurück

cu cw

ibgross 27. Aug. 2019, 13:12

Zitat:
Original erstellt von cadwomen:
... wie bekomm
man möglichst viel Daten nach zb. Rohr2 und noch wichtiger .. wieder zurück

Hallo cadwomen;

wichtiger Aspekt, den ich aus meiner Sicht, so nicht auf dem Zettel hatte!

Nur frage ich mich, was die in Plant3D, Rohr2, etc. vorhandenen Rohrklassen bringen sollen, wenn die hinterlegten max. Betriebsdrücke unter o.a. Aspekten zu hoch ausfallen?
Aus meiner Sicht kann das u.U. sogar gefährlich werden, da die Software-Gläubigkeit doch immer mehr um sich greift und kaum noch jemand die Resultate überprüft.

Beste Grüße
Michael

cadwomen 27. Aug. 2019, 13:53

Hallo Michael,

ich bin Kein "Statiker" nur für die Technik zuständig.
In erster Line geht es darum das derjenige der mit Rohr2 arbeitet nicht alle "Rohrdaten" nochmal ein geben muss
Mein Satnd Anfang des Jahres , Rohr2 ist was die Daten angeht wieder einen Schritt zurück gegangen, Grund ADSK hat irgendwas wieder ohne zu sagen
geändert was ja fast schon als Regelmässigkeit gelten darf.

Stand Plant3D 2019

zu Rohr2 auslesen geht
in Rohr2 Berechnungsläufe wie gehabt
zurück nur Statisch in 3D Plant müssen dann die änderungen nachgeführt werden , aber das ist jetzt machbarer als alles neu
zumal man sich das eigentlich gut einrichten kann.

Rohr2 um hier nicht in Werbung zu verfallen ist auch nicht das einzige Tool ;-)

das mit der Softwaregläubigkeit... nun das hat bein den Baustatikern ja schon vor 20 Jahren angefangen als Bamtec und FEM in einigen CAD Software
schon drin war oder als Aufsatz

Decke grün , Top Stahl langt ;-)

cu cw

ibgross 27. Aug. 2019, 14:52

Hallo cadwomen;

wenn das von dir beschriebene Verfahren so eingehalten wird und es wird gerechnet, womit auch immer, bin ich ja glücklich und zufrieden.

Nur stelle ich immer wieder folgende Aussage fest:
"Wir führen nach Rohlkasse aus, wir brauchen nicht rechnen."
Bsp.:
Rohrklasse PN 25
Nennweite DN 150
Betriebstemperatur 200C
max. zul. Betriebsdruck 22,2 bar
vorhandener Betriebsdruck 20 bar
-> kein Nachweis erforderlich

Und das geht m.E. aus o.a. Gründen eben nicht.

Beste Grüße
Michael